Orange Wine: Was ist das eigentlich?

Orange Wine einfach erklärt: Warum er orange ist, wie er schmeckt und ob sich der erste Schluck für dich lohnt – ohne Fachchinesisch.

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8/20/20265 min read

Die 3 wichtigsten Drops

  • Es gibt nicht „den besten" Wein – nur den, der zu deinem Geschmack passt.

  • Dein Geschmack lässt sich grob fünf Typen zuordnen – vom Frucht-Typ bis zum Genießer-Typ.

  • Kennst du deinen Typ, weißt du sofort, nach welchen Rebsorten du im Regal suchen kannst.

Ich muss ehrlich zugeben: Bis vor Kurzem wusste ich nicht wirklich, was Orange Wine überhaupt ist. Ich hatte den Begriff schon öfter gelesen, aber nie so richtig verstanden, was dahintersteckt. Also habe ich mich hingesetzt und angefangen, mich damit zu beschäftigen.

Mein erster Gedanke dabei war: "Moment – ist das nicht einfach dasselbe Prinzip wie Rosé, nur eben mit weißen statt roten Trauben?" Und ehrlich gesagt: ganz falsch lag ich damit gar nicht. Ich nehme dich heute mit auf genau die Entdeckungsreise, die ich selbst gerade gemacht habe.

Ist Orange Wine eigentlich Orangenwein?

Kurze Antwort: Nein, überhaupt nicht.

Es steckt keine einzige Orange in der Flasche. Der Name kommt einfach von der Farbe – die reicht von zartem Bernstein bis zu kräftigem Kupfer-Orange. Gemacht wird Orange Wine aus ganz normalen weißen Trauben, wie man sie auch für Riesling oder Grauburgunder verwendet.

Die spannende Frage ist also nicht "Welche Traube?", sondern: Wie kommt ein weißer Traubensaft zu einer orangen Farbe? Und genau hier kam für mich der Rosé-Gedanke ins Spiel.

Der erste Aha-Moment: der Vergleich mit Rosé

Rosé kennt fast jeder – und genau deshalb war er für mich der perfekte Einstieg, um Orange Wine zu verstehen.

Rosé entsteht aus roten Trauben. Normalerweise würde man daraus Rotwein machen, indem man die Schalen lange mit im Saft gären lässt. Für Rosé lässt man die Schalen aber nur kurz mitschwimmen – gerade so lange, bis ein bisschen Farbe in den Saft übergeht. Danach werden sie entfernt, und der Saft gärt alleine weiter. Deshalb ist Rosé hell, leicht und fruchtig.

Orange Wine funktioniert nach demselben Grundprinzip – nur umgekehrt und weiter gedacht:

  • Rosé = rote Trauben + kurzer Schalenkontakt

  • Orange Wine = weiße Trauben + langer Schalenkontakt

Bei Rosé nimmt man also rote Trauben und lässt die Schalen nur kurz mit im Saft, um ein bisschen Farbe und Struktur zu bekommen. Bei Orange Wine nimmt man weiße Trauben und lässt die Schalen bewusst lange mit im Saft – tagelang, manchmal sogar monatelang. Je länger der Kontakt, desto mehr Farbe und Kraft nimmt der Saft auf.

Für mich war das der Moment, in dem der Groschen gefallen ist: Es geht bei beiden Weinen letztlich um dieselbe Stellschraube – wie lange die Schalen mit im Saft bleiben. Rosé dreht sie nur kurz auf, Orange Wine dreht sie richtig weit auf.

Warum ist Orange Wine orange?

Um zu verstehen, warum aus "lange mit Schale" am Ende diese kräftige orange Farbe wird, hilft mir ein zweites, ganz einfaches Bild: Tee.

Stell dir vor, du gießt heißes Wasser über einen Teebeutel. Lässt du ihn nur zehn Sekunden drin, bekommst du ein helles, mildes Getränk. Lässt du ihn fünf Minuten ziehen, wird der Tee kräftiger, dunkler und intensiver im Geschmack.

Bei Wein passiert im Prinzip dasselbe – nur dass statt eines Teebeutels die Schalen der Trauben im Saft "ziehen".

Der eigentliche Unterschied: mit oder ohne Schalen vergoren

Normalerweise macht man das bei Weißwein und Rotwein sehr unterschiedlich:

  • Weißwein: Die Trauben werden gepresst, die Schalen kommen raus, und nur der klare Saft gärt zu Wein. Deshalb bleibt Weißwein hell – die Farbe hat nie die Chance, sich im Saft zu lösen.

  • Rotwein: Hier bleiben Schalen und Kerne mit im Saft, während er gärt. Die Schalen geben dabei Farbe und Gerbstoffe ab – deshalb ist Rotwein rot und schmeckt oft kräftiger.

  • Orange Wine: Man nimmt weiße Trauben – aber vergärt sie wie einen Rotwein, also mit Schalen. Die Schalen weißer Trauben sind zwar nicht rot, aber sie enthalten trotzdem Farbstoffe und Gerbstoffe. Das Ergebnis: ein weißer Traubensaft, der durch den "Tee-Effekt" der Schalen orange und kräftiger wird.

Diese Methode nennt sich Maischegärung – ein Fachbegriff, den du dir nicht merken musst. Wichtig ist nur das Prinzip: länger mit Schale = mehr Farbe, mehr Kraft, mehr Struktur.

Am einfachsten merkst du dir: Orange Wine ist Weißwein, der wie Rotwein gemacht wird. Deshalb erkennst du ihn im Regal übrigens auch am ehesten daran, dass auf dem Etikett eine ganz normale weiße Rebsorte steht (z. B. Sauvignon Blanc oder Grauburgunder) – die Flasche selbst aber deutlich dunkler, bernstein- bis kupferfarben durchscheint.

Wie schmeckt Orange Wine?

Genau das ist das Spannende: Er schmeckt weder wie ein typischer Weißwein noch wie ein Rotwein.

Durch den Kontakt mit den Schalen bekommt er oft:

  • mehr Struktur und Gerbstoffe – ein Gefühl, das man sonst eher von Rotwein kennt

  • weniger fruchtige Frische, dafür oft nussige, würzige oder leicht erdige Noten

  • manchmal eine Textur, die man fast schon "kauen" kann, statt sie nur zu trinken

Es gibt nicht "den einen" Geschmack von Orange Wine – genau wie bei Weiß- oder Rotwein hängt viel von Rebsorte, Region und Winzer ab. Genau das macht ihn aber auch spannend zum Entdecken.

Warum begegnet mir Orange Wine gerade jetzt häufiger?

Das hat mich beim Recherchieren auch überrascht: Die Methode dahinter ist uralt – sie wurde schon vor Jahrtausenden angewendet, zum Beispiel in Georgien. Orange Wine ist also keine neue Erfindung.

Neu ist eher, dass er in den letzten Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt. Deshalb taucht er inzwischen häufiger auf Weinkarten und in gut sortierten Weinhandlungen auf, als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Für dich als Leser bedeutet das einfach: Die Chance, mal eine Flasche zu entdecken, ist heute deutlich größer als früher.

Lohnt sich Orange Wine für Einsteiger?

Ehrliche Antwort: Kommt darauf an, was du magst.

Orange Wine könnte dir gefallen, wenn:

  • du normalerweise eher zu Rotwein greifst und mal etwas Neues probieren willst

  • dich Wein mit "Charakter" mehr reizt als Wein, der einfach nur glatt schmeckt

  • du generell gerne über den Tellerrand schaust – zum Beispiel hast du dich vielleicht auch schon mal gefragt, was eigentlich hinter Rosé steckt oder was "trocken" bei Wein wirklich bedeutet

Orange Wine ist vermutlich eher nichts für dich, wenn:

  • du normalerweise leichte, fruchtige, sehr frische Weißweine liebst und genau das suchst

  • dir ungewohnte, kräftige Aromen eher unangenehm als spannend sind

Es gibt hier kein Richtig oder Falsch – nur die Frage, ob du neugierig genug bist, es einmal auszuprobieren. Am besten eignet sich dafür ein kleines Probierpaket, weil du so mehrere Stile parallel testen kannst, statt gleich eine ganze Flasche eines möglicherweise ungewohnten Weins zu kaufen. Wenn du magst, findest du hier ein Orange-Wine-Probierpaket zum Reinschmecken. (Werbung)

Kurz gefragt

Muss Orange Wine gekühlt werden?Ja, meist etwas kühler als Rotwein, aber wärmer als ein klassischer Weißwein serviert – ein guter Richtwert sind rund 12–14 °C.

Ist Orange Wine automatisch ein Naturwein?Nein. Die beiden Begriffe werden oft zusammen genannt, meinen aber unterschiedliche Dinge: Orange Wine beschreibt die Herstellungsmethode (Gärung mit Schalen), Naturwein beschreibt eher die Philosophie dahinter (möglichst wenig Eingriffe im Keller).

Mehr entdecken:

Was hinter Rosé wirklich steckt, was "trocken" bei Wein eigentlich bedeutet, unser Rebsorten-Guide für Einsteiger – und für alle, die es ganz genau wissen wollen: Wein selber machen, Schritt für Schritt erklärt.

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